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Pferde und Kutschen

Im Gegensatz zur heutigen Ausstattung - vier Kutschen mit je 2 Pferden und vier einzelne Pferde - besaß das Karussell ehedem nur zwei mit zwei Pferden bespannte Wagen und nur zwei einzelne Reitpferde.
Um die schaukelnde Gangart der Pferde nachzuahmen, waren sie geschickt mit der Hinterhand und dem Schwanz auf dem Laufkranz festmontiert. Mittels eines durch den Schweif eingeführten und im Rumpf befestigten Eisenbügels wurden sie in Galoppierstellung gehalten. Da diese Bügel federten, konnten die Reiter ihre Rosse durch Verlagerung des Gewichts in Bewegung versetzen.

Die ursprünglichen gedrechselten Pferdchen und Wagen wurden 1871 durch französische Kriegsgefangene mutwillig zerstört und erst um die Jahrhundertwende durch neue ersetzt. Die um die Jahrhundertwende neu angeschafften Kutschen und Pferde sind bis heute erhalten. lm Herbst 1968 wurden sie zuletzt restauriert und dabei in ihre originale farbliche Fassung zurückversetzt. Reste der originalen Samtbespannung der Kutschen wurden auf die Wiederherstellung eines Wagens verwandt.

Ein Schweizer berichtete 1780 über das Karussell: "Die Damen fahren mit vorgespannten Pferden in kostbaren mit vergoldeten Schnitzwerke verzierten Götterwagen, wahrhafte Götterwagen, deren sich Frau Juno selbst an einem Galatage nicht zu schämen hätte: Die Männer reiten auf Pferden aus dem Herrschaftlichen Marstalle (bitt' um Vergebung,) sind nur Kopien davon, aber ihren Originalen ganz ähnlich."

Im späten 18. Jahrhundert lebten im Karussell noch Elemente ritterlicher Leibesertüchtigung fort. Eigentlich bedeutete das Wort "Karussell" "Reiterspiel mit Ringelstechen" und meinte das seit dem Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert verbreitete ritterliche Wett- oder Turnierspiel, bei dem nach Köpfen geworfen oder geschossen, mit der Lanze nach Ringen oder nach einer Holzfigur gestochen wurde.

Hierauf ging auch der 1779 in Hanau geborene Mineraloge und Geologe Karl Caesar von Leonhard in seinen Lebenserinnerungen ein:
"Zu den Reizen der Vergnügensstätte in meinen Knaben-Jahren gehörte vor Allem das Carroussel. Welche Wonne, in engem Kreise herumgetrieben zu werden auf Holz-Pferden von natürlicher Größe, oder in zierli-chen Phaetons, bespannt mit hölzernen Schimmeln und Rappen. Lustig war das Ritterspiel anzusehen. Mit kindlichem Ernst, ja mit fast feierlicher Miene trieb man das Ringstechen und Pfeilwerfen ... .

Das schöne Geschlecht schloß sich keineswegs aus von den kriegerischen Uebungen ... . Triumphirende Blicke warfen die Sieger den umstehenden Landleuten zu, welche, in demüthiger Andacht, nicht selten unter Beifall-Jauchzen, das Schauspiel bewunderten."

Einen Hinweis auf das Ringelspiel erhalten wir auf dem Kupferstich von Gotthelf Wilhelm Weise nach einer Zeichnung von Wilhelm Anton Tischbein aus dem Jahre 1783.

Die Ausführungen wurden dem Buch aus dem Cocon-Verlag Hanau entnommen:
Wilhelmsbad - Garten der Empfindsamkeit, von Elke Conert, aus dem Jahre 1997, ISBN 3-928100-44-0
Zwei weisse Pferde mit Kutsche
Aufnahme September 2006
Seitenansicht einer Kutsche
Aufnahme Februar 2007