Home
Aktuelles
Wir über uns
Der Vorstand
Das Karussell
Erbprinz Wilhelm
F. L. von Cancrin
Zeittafel
Sanierung
Sanierung, Teil 1
Sanierung, Teil 2
Maßnahmenpläne
Fotoalbum
Termine
Souvenirs
HANAU INFO
Spenden
Mitglied werden
Satzung
Kontakt-Formular
Links
Impressum
Sitemap

Fotografie des Bombenschadens nach Luftangriff 1944, Blick von West, Im Vordergrund: umgestürzte Außensäule


Dipl. Ing. Christiane Colhoun

Die Geschichte der Sanierung ( Teil 2)

Wir mussten unsere erste Einschätzung, die besagte, dass das Versagen des Tragwerks auch auf konstruktive Mängel zurückzuführen sei,  also revidieren und wissen jetzt, dass der größte Teil der Schäden, die heute am Karussell festzustellen sind, sich nach 1934 infolge des Bombenschadens, nachfolgend mangelndem Bauunterhalt und ungeeigneter Reparaturen eingestellt hat. Das Dachwerk ist heute stark eingesunken und der Gebälkring infolge des Bombentreffers nicht mehr rund. Das ursprünglich runde Gebälk über den Säulen ist heute in Nord-Südrichtung 40 cm breiter als in Ost-Westrichtung. Nach oben nehmen die Verformungen sogar noch zu. Der Innenboden ist an manchen Stellen 30 cm unter das Niveau des Außenbodens abgesunken. Dies entspricht auch dem Maß der Absenkung im Dach.

Geplanter Reparatur-Prozess:

Tragwerk:

Um die blockierte Drehmechanik im Untergeschoss wieder frei drehen zu können ist es notwendig, das aufliegende Dachwerk anzuheben und den runden Lauf der Drehmechanik wieder zu ermöglichen.

Dies soll folgendermaßen geschehen:

Zunächst werden schützenswerte Ausstattungselemente für den späteren Wiedereinbau ausgebaut oder im Bauwerk eingehüllt. Die Vergitterung wird ausgebaut. Die Stuckflächen im Inneren, die aus dem letzten Jahrhundert stammen, werden ausgebaut.

Das Mauerwerk des Untergeschosses wird saniert, die Fensteröffnungen und das teilweise eingestürzte Zugangsgewölbe werden wieder hergestellt. Der Sandstein-Stufenring muss repariert und teilweise neu aufgebaut werden.

Dann werden Stützen, die jeweils mit Hebezeugen kombiniert sind, zwischen den Außensäulen, unter den Innensäulen und unter dem zentralen Kaiserstiel in der Mitte des Karussells eingebaut.

An den Fußpunkten der Stuhlsäulen im Dach werden nun Holzknaggen angeschraubt. An diesen Knaggen werden stählerne Zugstangen befestigt, mittels derer die Binder untereinander verspannt und für den folgenden Hebeprozess $$gesichert werden. Dann werden die langen Zangenhölzer an den Knotenpunkten und andere Verbindungsmittel gelöst, um dem Dachwerk Bewegungen und damit die Rückverformung erst zu ermöglichen.

Nun wird das Dachwerk mittels der Drehspindeln unter den Innensäulen zunächst insgesamt so weit angehoben, dass das äußere stark zerstörte Gebälk und die zwölf Außensäulen ausgebaut werden können. Die Außensäulen werden in die Werkstatt gebracht, repariert und danach wieder eingebaut. Das äußere Gebälk wird durch einen T-förmigen Ring aus Holz-Leimbindern ersetzt, der vor Ort aus Einzelteilen zusammengefügt wird. Der obere Teil des Leimbinders soll aus dem dauerhafteren Lärchenholz gefertigt werden.

Nun wird das Dachwerk behutsam und langsam weiter angehoben, bis die Absinkung an den Innensäulen, also die Stufe zwischen Außen- und Innenboden ausgeglichen ist. Dazu müssen die verschiedenen Binder, die alle unterschiedliche Schadensbilder zeigen, individuell verschieden behandelt werden. Der gesamte Hebeprozess wird durch Messungen begleitet, die es erlauben, die Bewegungen der Konstruktion in der Vertikalen und der Horizontalen zu steuern.

Nun kann das Stahltragwerk mit Kranunterstützung eingebracht und auf den neuen Ringbalken aufgelegt werden. Dazu wird zeitweise das Dach der Einhausung geöffnet. Der stählerne Druckring und die Stahlbinderbögen werden segmentweise eingehoben und vor Ort zum räumlichen Tragwerk zusammengesetzt und verbunden. Die Verbindungen werden als Stecksystem mit Verschraubungen vorgesehen, sodass vor Ort keinerlei Schweißarbeiten durchgeführt werden müssen. An das stählerne Tragwerk wird nun mittels Stabstahl-Abspannungen das gesamte hölzerne Dachwerk und der anhängende Innenboden abgehängt.

Notwendige Reparaturen an den Bestandshölzern des Daches können ab diesem Zeitpunkt von oben vorgenommen werden. Die Konstruktionshölzer des Daches werden repariert, wo dies für die verbleibende Funktion nötig ist. Funktionslos gewordene stark zerstörte Hölzer werden mit Zellulosefestiger behandelt und können so erhalten werden.

Der abgehängte Innenboden soll zimmertechnisch repariert und zurückgeformt werden. Der Innenboden wird durch eingelegte Stahlprofile eben stabilisiert und durch verstärkte Anhängungen an den Innensäulen für die neue Belastung gesichert.

Drehmechanik:

Diese Konzeption erlaubt, die beweglichen Teile des Karussells im Sinne der ursprünglichen Konzeption und unter Nutzung der jüngeren gusseisernen Einbauten für einen Antrieb mittels Elektromotor weitestgehend wieder zu nutzen. Drehschirm, Drehreif und Welle, die seit dem 19. Jahrhundert im Untergeschoss auf gusseisernen Rollen geführt sind, werden sich nach ihrer Reparatur auch wieder frei drehen können. Die Rollenlagerung soll beibehalten werden. Fehlende Rollenlager sollen nachgegossen, der abgeschlagene Reifen der Antriebswelle wieder hergestellt und ergänzt werden.

Oberflächen und Ausstattung:

Nach dieser Ertüchtigung der Grundkonstruktionen kann nun die Wiederherstellung der Oberflächen erfolgen. Die Dachschalung wird auf der stählernen Unterkonstruktion wieder hergestellt und verschiefert werden. Die restaurierte Vase aus Kupferblech wird wieder aufgesetzt. Die Gewölbe müssen in ihrer neuen Form wieder mit Stuckmörtel ausgekleidet und gefasst, das heißt angestrichen werden. Hölzerne Verkleidungen und der Bodenbelag des Innenbodens müssen ergänzt und gefasst werden. Dabei kann die teilweise farbige Farbfassung der Säulen mit taubenblauem Untergrund, Blumendekor, Borten und Troddeln wiederhergestellt werden, die mit der zweiten Ausstattung des Karussells 1896 hergestellt wurde. Diese Fassung ist vom Restaurator unter der weißen Übermalung teilweise freigelegt worden.

Schutz vor Vandalismus:

Bevor die wertvolle Ausstattung wieder eingebaut wird, muss für den nötigen Schutz gesorgt werden. Derzeit wird geklärt, ob die jetzige Vergitterung in Zukunft durch eine runde Sicherheits-Verglasung ersetzt werden kann, die mehr Schutz und Durchblick erlauben würde.

Schließlich kann die Einhausung abgebaut werden. Die umgebende Geländefläche wird wieder hergerichtet und kann dann winters wieder als Schlittenberg herhalten.

Jetzt endlich dürfen auch die restaurierten Pferde und Wagen wieder in ihr erneuertes Domizil einziehen und mit Hilfe des Elektromotors im Kreisrund auch wieder ihre Bahnen ziehen.