Fotos aus dem Karussell - Mai 2012

Fotos: Stefan Bahn

Pressemitteilung vom 24.02.2012

Folgende Pressemitteilung haben wir, der Förderverein, gemeinsam mit der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten sowie der mit der Bauleitung beauftragten Dipl. Ing. Christiane Colhoun vom Studio Baukultur, am 24.02.2012 veröffentlicht:  

 

 

Aktuelle Informationen zur Sanierung des Wilhelmsbader Karussells

 

Geschichte:

Das Wilhelmsbader Karussell wurde 1780 unter Erbprinz Wilhelm im Rahmen einer Kur- und Badeanlage errichtet. Architekt war der Bergbauingenieur Franz Ludwig Cancrin. Es ist wahrscheinlich das älteste erhaltene Karussell der Welt und damit nicht nur ein Baukunstwerk, sondern auch ein bedeutendes Denkmal der Technikgeschichte: Die Ausführung mit einem feststehenden Innenboden war eine Erfindung des Architekten. Das Karussell besteht aus zwei Teilen: Dem feststehenden oberen Teil, der wie ein antiker Rundtempel gestaltet wurde, und dem Antrieb, der in einem künstlichen Hügel im Untergrund verborgen ist. Das einzige bewegliche Teil der Mechanik, das für die Zuschauer sichtbar war, ist der Drehreif, auf dem Pferde und Kutschen befestigt sind. Er liegt auf einer schirmförmigen, beweglichen Stützkonstruktion mit mittlerer Welle, die im Untergeschoss wie ein Göpelwerk mit Muskelkraft angetrieben wurde. Der innere Boden zwischen den Pferden und Kutschen war über die inneren Säulen am Dach aufgehängt und schwebte frei über der Drehmechanik.

 

Die Einwirkungen von Kriegen der letzten zwei Jahrhunderte führten zu schweren Schäden am Tragwerk. Bei einem Bombentreffer 1944 rissen beide eiserne Ringanker im Dach. Dies führte zum Absinken des Daches und damit auch des an den Dachbindern aufgehängten Innenbodens. Er lagerte sich auf den Drehkranz auf und blockierte damit die Karussellmechanik.

 

Planung und Instandsetzung:

Nach umfangreichen Untersuchungen zur Vorbereitung der Sanierung durch das Büro Studio Baukultur aus Darmstadt und der konzeptionellen Planung durch das Büro für Tragwerksplanung Mittnacht, Beratende Ingenieure, aus Würzburg, die von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen beauftragt wurden, wurde 2007 mit den Arbeiten zur Sanierung des Karussells begonnen. Planung und Ausführung werden maßgeblich durch die Aktivitäten der Mitglieder des 1998 gegründeten „Fördervereins für das Karussell im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad“ unterstützt, gefördert und vorangetrieben.


Als erstes wurde das Karussell zum Schutz der Konstruktion mit einer Einhausung überbaut, die es erlaubt auch im Winter daran zu arbeiten. Anschließend wurden die Pferde und Kutschen ausgebaut und in die Werkstatt des Restaurators Hans-Michael Hangleiter in Otzberg gebracht. Ihre Restaurierung ist bereits weit fortgeschritten: Die noch erhaltenen, sehr schönen alten Farbfassungen wurden freigelegt und Fehlstellen behutsam ergänzt. Fehlende Glasaugen, Schweife aus echtem Pferdehaar, geschliffene Spiegel, Stuck- und Bronzeblechapplikationen wurden nachgefertigt und werden wieder eingesetzt.


Dann wurden die eingesunkenen Teile der Karussellkonstruktion über mehrere Wochen hinweg vorsichtig angehoben und so weit zurückgeformt, dass der Innenboden wieder auf seinem ursprünglichen Niveau liegt und es genügend Spiel gibt zwischen dem feststehenden Innenboden und dem beweglichen Drehschirm im Untergeschoss. Dies dient der Vorbereitung, die Drehmechanik später wieder gangbar zu machen. Die Umlastung der Konstruktion auf Hebezeuge erlaubte es auch, die stark geschädigten Außensäulen auszubauen. Sie liegen derzeit in der Werkstatt der Firma Lambrecht in Schwalmstadt, wo sie saniert werden.

Das Sanierungskonzept sieht vor, das hölzerne Dachtragwerk mitsamt seinen zahlreichen Reparaturergänzungen so weit wie möglich unverändert zu erhalten. Da das historische Tragwerk aber nicht mehr die Lasten die anfallenden Lasten aufnehmen kann und wieder in sich zusammensinken würde, sobald man die Hilfsstützen entfernt, soll eine neue stählerne Konstruktion die Lasten aufnehmen. Die geplante Stahlkonstruktion wird zwischen und neben den Hölzern des Dachtragwerkes eingepasst und später von außen nicht sichtbar sein. Die bogenförmigen Stahlbinder werden zurzeit von der Firma Hahner in Fulda-Petersberg angefertigt.


Die Vorbereitungen zum Einbau der Hilfskonstruktion sind weitgehend abgeschlossen: Im Dach wurde der neue Ringbalken aus vorgeformten Leimbindersegmenten eingebaut, der als unteres Auflager und Lastverteiler der Stahlkonstruktion dient. Nach dem Einbau der Stahlbinder wird das historische Dachwerk mit dem abgehängten Innenboden über Zugstäbe an die Stahlkonstruktion angehängt. Die gesamte Last aus dem Dachtragwerk, dem abgehängten Innenboden und der Dachhaut wird dann über das stählerne Tragwerk auf die zwölf äußeren Säulen abgeleitet. Diese statische Konzeption erlaubt es, die ursprüngliche hölzerne Drehmechanik im Untergrund mit ihren jüngeren gusseisernen Einbauten wieder in Bewegung zu setzen, angetrieben durch einen Elektromotor.

 

Nach der Sanierung des Tragwerks werden die schwierigsten Arbeitsschritte abgeschlossen sein. Bislang sind uns alle vorgesehenen Arbeiten mit gutem Erfolg gelungen, dank der sorgfältigen Voruntersuchungen und Planungen und dem behutsamen Vorgehen der Zimmerleute. Nach Abschluss der Arbeiten zur Ertüchtigung des Tragwerks müssen Maurer, Steinmetze, Dachdecker, Bodenleger, Putzer und Maler ihre Arbeiten auszuführen. Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, wird sich das Karussell wieder drehen können.

 

Mitwirkende

Bauherr: Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden

vertreten durch die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Bad Homburg
Direktor: Karl Weber

Fachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege: Dr.-Ing. Thomas Ludwig

Fachgebiet Konservierung / Restaurierung: Ulrich Haroska

 

Projektleitung und baufachliche Beratung: Hessisches Baumanagement, Regionalniederlassung Rhein-Main, Dipl.-Ing. Gabriele Niessner

 

Bauleitung: Architekturbüro Studio Baukultur, Darmstadt, Dipl.-Ing. Christiane Colhoun

 

Tragwerksplanung und Bauleitung: Büro Mittnacht, Beratende Ingenieure, Würzburg,
Dipl.-Ing. Bernd Mittnacht und Dipl.-Ing. Matthias Kehl (FH) SFI (DVS)

 

Holz- und Stahlbau: Lambrecht Holzbau GmbH, Schwalmstadt

Geschäftsführer: Joachim Rudewig, Zimmererpolier: Olav Kämmerer

Kontakt:

Förderverein für das Karussell im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad e.V.

info@karussell-wilhelmsbad.de

 

 

 

 


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